
ODD – Odor Delivery Device: Warum der richtige Geruchsbehälter im Spürhundetraining entscheidend ist
Sicher. Sauber. Standardisiert. – und vor allem möglichst einfach
In der professionellen Spürhundearbeit beschäftigen wir uns sehr intensiv mit Zielgerüchen.
Welchen Stoff verwenden wir?
Wie viel davon?
Wie lange liegt er aus?
Wie verhindern wir Kontamination?
Welche Negativproben setzen wir ein?
Eine wesentlich einfachere Frage wird dabei häufig unterschätzt:
Worin präsentieren wir dem Hund eigentlich den Geruch?
Genau dafür verwenden wir sogenannte ODDs – Odor Delivery Devices.
Vereinfacht verstehen wir darunter einen Behälter, mit dem wir eine Zielgeruchsquelle, Negativprobe oder einen Verleiter kontrolliert in einem Trainingsaufbau präsentieren.
Form, Größe und Material können vollkommen unterschiedlich sein. Es gibt Glasbehälter, Metallbehälter, Kunststoffsysteme, Stoffbeutel und technisch komplexere Systeme mit definierten Membranen.
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom verwendeten Zielstoff, der Trainingsaufgabe und dem gewünschten Grad der Standardisierung ab.
Bei Kynotec hat sich nach vielen unterschiedlichen Varianten eine relativ einfache Lösung durchgesetzt:
ein kompakter ODD aus Edelstahl, den wir in Line Up, Scent Wheel, DDTS und vielen anderen Trainingsaufbauten verwenden können.
Oder anders formuliert:
Keep it stupid simple.
Je weniger unnötige Variablen wir in unser Training einbauen, desto besser können wir uns auf das konzentrieren, was tatsächlich wichtig ist:
Welche Geruchsinformation entscheidet über das Verhalten des Hundes?
Das Wichtigste auf einen Blick
Ein ODD dient dazu, eine Geruchsquelle kontrolliert und reproduzierbar in einem Trainingsaufbau zu präsentieren.
Für uns sollte ein gutes System:
- Zielstoffe und Negativproben aufnehmen können,
- möglichst robust sein,
- gut gereinigt werden können,
- wiederverwendbar sein,
- ein einheitliches Erscheinungsbild bieten,
- verschiedene Trainingssysteme bedienen können,
- unkompliziert vorbereitet werden können,
- und direkten Materialkontakt beziehungsweise Partikelübertragung möglichst reduzieren.
Unser Kynotec ODD besteht aus Edelstahl, misst 5 cm im Durchmesser und 7 cm in der Höhe und ist unter anderem auf unser Line Up und Scent Wheel abgestimmt. Ein Kynotec Line Up besitzt vier Module mit jeweils drei ODD-Positionen und damit insgesamt zwölf Geruchspositionen.
Was bedeutet ODD?
ODD steht für:
Odor Delivery Device
also sinngemäß:
Geruchs-Präsentationsgerät beziehungsweise Geruchsbehälter.
Dabei ist wichtig:
Ein ODD ist für uns zunächst eine funktionale Kategorie.
Nicht jeder ODD muss:
- gleich aussehen,
- gleich groß sein,
- aus demselben Material bestehen,
- oder technisch identisch funktionieren.
Auch in der wissenschaftlichen Detection-Dog-Literatur gibt es verschiedene Systeme zur kontrollierten Präsentation von Trainingsgerüchen. Beispielsweise werden Training Aid Delivery Devices, Controlled Odor Mimic Permeation Systems und andere primäre Containment-Systeme beschrieben.
Das Grundprinzip ist jedoch vergleichbar:
Wir wollen eine Geruchsquelle so präsentieren, dass der Hund Geruch erhalten kann, während wir das eigentliche Trainingsmaterial möglichst kontrolliert handhaben.
Warum überhaupt einen Behälter verwenden?
Wir könnten einen Zielstoff theoretisch einfach offen auslegen.
Das bringt allerdings schnell mehrere Probleme mit sich.
Das Material kann:
- mit dem Untergrund in Kontakt kommen,
- Partikel hinterlassen,
- auf Oberflächen übertragen werden,
- vom Hund direkt berührt werden,
- mit anderen Trainingsmaterialien kontaminiert werden,
- oder später an Stellen Geruch hinterlassen, an denen eigentlich keine Probe mehr liegen sollte.
Gerade wenn wir regelmäßig mit:
- verschiedenen Zielstoffen,
- Negativproben,
- Verleitern,
- sehr kleinen Mengen,
- empfindlichen Materialien
arbeiten, wird gutes Handling zunehmend wichtig.
Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Integrität von Detection-Dog-Trainingshilfen zeigte beispielsweise, dass Kontamination und Materialübertragung ein reales Problem darstellen können und die Auswahl sowie Handhabung von Behältern Einfluss auf die Geruchsintegrität eines Trainingssystems haben kann.
Ein ODD verhindert Geruchskontamination nicht „magisch“
Ein ODD soll Geruch präsentieren.
Das bedeutet zwangsläufig:
Irgendwie muss Geruch aus dem System in die Umgebung gelangen.
Ein während des Trainings vollkommen geruchsdichter Behälter wäre für einen Spürhund wenig hilfreich.
Ein gutes ODD kann jedoch dabei helfen:
- direkten Materialkontakt zu verhindern,
- Partikel zurückzuhalten,
- den Zielstoff vor Berührung zu schützen,
- die Präsentation reproduzierbarer zu gestalten,
- und unbeabsichtigte Kontamination durch schlechtes Handling zu reduzieren.
Die wissenschaftliche Literatur unterscheidet deshalb zwischen der physischen Eindämmung des Trainingsmaterials und der Verfügbarkeit seiner flüchtigen Geruchskomponenten.
Ein geeignetes primäres Containment soll das Material möglichst sicher halten, gleichzeitig aber ausreichend Geruch für den Hund verfügbar machen.

Ein Odor Delivery Device dient der kontrollierten Präsentation einer Geruchsquelle. Das Trainingsmaterial bleibt im Behälter, während für den Hund relevante flüchtige Geruchskomponenten verfügbar werden.
Der Behälter ist Teil der Geruchssituation
Ein Punkt wird häufig vergessen:
Auch der Behälter selbst ist Bestandteil der Geruchsumgebung.
Ein Hund riecht niemals ausschließlich:
„Zielstoff“
sondern ein Geruchsbild, das abhängig vom Aufbau auch Informationen enthalten kann von:
- Behälter,
- Handschuhen,
- Untergrund,
- Hundeführer,
- Lagerung,
- Umgebung,
- anderen Proben.
Deshalb ist es für uns so wichtig, möglichst viele dieser Variablen zu standardisieren.
Wenn alle Geruchspositionen dasselbe Behältersystem verwenden, bleibt eine entscheidende Variable übrig:
der Inhalt.
Gleiche Behälter – unterschiedliche Inhalte
Genau hier liegt aus unserer Sicht einer der größten Vorteile eines standardisierten ODD-Systems.
Stellen wir ein Line Up mit zwölf Positionen auf.
Alle zwölf Positionen besitzen:
- dieselbe Form,
- dieselbe Größe,
- dasselbe Material,
- dieselbe grundsätzliche Optik.
Ein ODD enthält Zielgeruch.
Andere enthalten:
- Negativproben,
- Distraktoren,
- Leerproben.
Nun möchten wir vom Hund eine einzige Information:
Welche Position enthält deinen Zielgeruch?
Nicht:
„Welcher Behälter sieht anders aus?“
Nicht:
„Welcher Trainer hat etwas anderes angefasst?“
Nicht:
„Welches Gefäß ist größer?“
Sondern möglichst:
„Welche olfaktorische Information entspricht meinem konditionierten Ziel?“
📌 Praxiserfahrung von Kynotec
Je weniger wir am Aufbau verändern, desto besser können wir Verhalten interpretieren.
Wenn die Zielprobe immer in:
- einem anderen Glas,
- einer anderen Dose,
- einem anderen Stoffbeutel
liegt als die Negativproben, erzeugen wir zusätzliche Unterschiede.
Der Hund ist ein hervorragender Diskriminierer.
Deshalb möchten wir vermeiden, ihm unbeabsichtigt eine einfachere Regel anzubieten als:
Suche deinen Zielgeruch.
Form, Größe und Material können unterschiedlich sein
Es gibt nicht den einen universell richtigen ODD.
Was sinnvoll ist, hängt von der Aufgabe ab.
Relevant können beispielsweise sein:
- Zielstoff,
- Aggregatzustand,
- Flüchtigkeit,
- Stoffmenge,
- Sicherheitsanforderungen,
- gewünschte Geruchsverfügbarkeit,
- Einsatzumgebung,
- Reinigung,
- Transport.
Die wissenschaftliche Literatur betont ausdrücklich, dass Geruchsverfügbarkeit durch die Eigenschaften des Zielstoffes, das Containment und die Umweltbedingungen beeinflusst wird. Geruch muss zunächst aus dem Trainingsmaterial freigesetzt werden und anschließend das primäre Containment verlassen, bevor er über die Umgebungsluft zum Hund gelangt.
Deshalb gilt:
Ein Behälter ist kein neutraler Faktor.
Unterschiedliche Zielstoffe können unterschiedliche Lösungen benötigen
Das ist besonders bei professionellen Detection Dogs wichtig.
Ein sehr flüchtiger Stoff verhält sich anders als ein Stoff mit:
- geringerem Dampfdruck,
- anderer chemischer Zusammensetzung,
- anderer Oberfläche,
- anderer Menge.
Auch die Wechselwirkung zwischen Geruchsmolekülen und dem Material des Behälters kann unterschiedlich sein.
Die Forschung zur Geruchsverfügbarkeit zeigt, dass Adsorption, Diffusion, Permeation und Stoffeigenschaften beeinflussen, wie viel Geruch dem Hund tatsächlich zur Verfügung steht.
Deshalb würden wir nie behaupten:
Ein bestimmter ODD ist für jeden denkbaren Zielstoff automatisch die optimale Lösung.
Ein professionelles Trainingssystem muss immer zur konkreten Zielsubstanz passen.
Warum wir bei Kynotec Edelstahl verwenden
Wir haben über die Jahre verschiedene Varianten verwendet.
Für unseren täglichen Trainingsbetrieb hat sich Edelstahl besonders bewährt.
Unsere ODDs bestehen deshalb aus Edelstahl und besitzen:
- 5 cm Durchmesser
- 7 cm Höhe.
Für uns bietet Edelstahl einige sehr praktische Vorteile.
Robustheit
Ein Trainingsequipment wird:
- transportiert,
- gestapelt,
- fallen gelassen,
- in Fahrzeuge geladen,
- im Freien verwendet.
Ein ODD darf nicht zum empfindlichsten Teil des Systems werden.
Wiederverwendbarkeit
Wir möchten Behälter nicht nach wenigen Trainingseinheiten ersetzen müssen.
Edelstahl ist für unseren Anwendungsbereich:
- langlebig,
- korrosionsbeständig,
- mechanisch belastbar.
Reinigung
Ein professionelles ODD muss sich unkompliziert reinigen lassen.
Das Material sollte:
- keine komplizierten Porenstrukturen besitzen,
- Feuchtigkeit gut vertragen,
- regelmäßig gereinigt werden können.
Das erleichtert den wiederholten Einsatz.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein gereinigter Behälter automatisch analytisch vollkommen geruchsfrei ist. Geruchsübertragung und Adsorption hängen von Stoff und Reinigung ab.
Warum nicht einfach Glas?
Glas besitzt durchaus Vorteile.
Es wird auch in wissenschaftlichen und professionellen Detection-Dog-Systemen verwendet. Spezialisierte Systeme wie der TADD nutzen beispielsweise Glasbehälter mit geruchsdurchlässigen Membranen.
Glas kann unter anderem:
- chemisch vergleichsweise inert sein,
- wenig Eigenmaterialgeruch besitzen,
- gut gereinigt werden.
Wir haben allerdings in unserem praktischen Trainingsalltag einen sehr simplen Nachteil erlebt:
Glas geht kaputt.
Und wenn wir regelmäßig:
- Line Ups aufbauen,
- Scent Wheels transportieren,
- viele Hunde nacheinander trainieren,
- ODDs wechseln,
möchten wir nicht ständig Glasscherben aufsammeln.
📌 Praxiserfahrung von Kynotec: Wir wollen Hunde trainieren – keine Gläser einsammeln
Wir hatten Trainingsaufbauten mit Glas.
Das funktioniert.
Bis ein Glas herunterfällt.
Dann beschäftigen wir uns plötzlich mit:
- Scherben,
- Aufräumen,
- Sicherheitskontrolle,
- Trainingsunterbrechung.
Technisch mag Glas für bestimmte Anwendungen hervorragend geeignet sein.
Für unser alltägliches System war die robustere Edelstahlvariante schlicht praktischer.
Keep it stupid simple.
Das beste Trainingsgerät hilft wenig, wenn seine Handhabung unnötig kompliziert wird.
Ein ODD für mehrere Systeme
Das war für uns bei der Entwicklung besonders wichtig.
Wir wollten nicht:
- zehn Behälter für das Line Up,
- acht andere für das Scent Wheel,
- wieder andere für das DDTS.
Denn dann beginnt vor jedem Training:
Wo sind die richtigen Becher?
Darum verwenden wir möglichst dasselbe ODD-System in unterschiedlichen Trainingsgeräten.
Unsere ODDs lassen sich unter anderem nutzen für:
Kynotec Line Up
Ein vollständiges Line Up besitzt vier Module mit jeweils drei Positionen – insgesamt also zwölf Geruchspositionen.
Kynotec Scent Wheel
Auch hier können dieselben vorbereiteten ODDs eingesetzt werden.
DDTS – Detection Dog Training System
Der Vorteil bleibt derselbe:
Ein vorbereiteter Geruchsbehälter kann zwischen verschiedenen Trainingssystemen verwendet werden.

Für uns ist Standardisierung auch eine Frage der Handhabung: Dasselbe ODD kann in unterschiedlichen Trainingssystemen eingesetzt werden.
Warum wir 24 ODDs empfehlen
Ein vollständiges Kynotec Line Up besitzt zwölf Positionen.
Warum empfehlen wir dann häufig 24 ODDs?
Weil wir nicht nach jeder einzelnen Suche wieder alle Behälter komplett neu vorbereiten möchten.
Mit einem größeren vorbereiteten Bestand können wir beispielsweise:
- Zielproben,
- Negativproben,
- Verleiter,
- Leerproben
bereithalten.
Das Lineup Bundle enthält deshalb aktuell ebenfalls 24 ODDs.
Das erleichtert:
- Trainingsvorbereitung,
- Randomisierung,
- Blindtraining,
- Wechsel zwischen Durchgängen.
Und genau hier zeigt sich wieder:
Standardisierung soll Training nicht komplizierter machen – sondern einfacher.
Zielgeruch und Negativprobe gehören in dasselbe System
Das ist aus unserer Sicht besonders wichtig.
Angenommen:
Zielgeruch befindet sich immer im Edelstahl-ODD.
Negativproben liegen dagegen:
- offen,
- in Plastik,
- in Stoffbeuteln.
Dann erzeugen wir möglicherweise eine zusätzliche Diskriminationsmöglichkeit.
Darum möchten wir grundsätzlich:
positive und negative Geruchsquellen möglichst vergleichbar präsentieren.
Der Behälter soll nicht verraten:
Hier lohnt sich eine Anzeige.
Die Geruchsinformation soll entscheiden.
Was sind Negativproben?
Negativproben sind Materialien beziehungsweise Gerüche, auf die der Hund nicht anzeigen soll.
Das können beispielsweise sein:
- Verpackungsmaterialien,
- Trägerstoffe,
- Handschuhe,
- Untergründe,
- chemisch oder geruchlich ähnliche Stoffe,
- alltägliche Umweltgerüche,
- Leerbehälter.
Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Geruchsdiskriminierung.
Denn ein Spürhund muss nicht nur lernen:
„Das ist richtig.“
Er muss ebenso lernen:
„Das hier ist nicht mein Ziel.“
Geruchskonditionierung ist nur der Anfang
ODDs können in unterschiedlichen Ausbildungsphasen eingesetzt werden.
Geruchskonditionierung
Der Hund lernt zunächst die Bedeutung des neuen Zielgeruchs.
Geruchserkennung
Er soll diesen Geruch zuverlässig erkennen.
Geruchsdiskriminierung
Nun stehen Zielgeruch und verschiedene Negativproben nebeneinander.
Verleitertraining
Ähnliche oder attraktive irrelevante Gerüche werden ergänzt.
Blindtraining
Der Hundeführer weiß nicht mehr, wo sich die positive Probe befindet.
Double Blind
Weder Hund noch unmittelbar anwesender Hundeführer beziehungsweise Prüfer kennen die Position.
Das Kynotec Line Up ist genau für solche Trainingsformen ausgelegt – von Geruchskonditionierung bis Single- und Double-Blind-Training.
Standardisierte Behälter machen eine Suche nicht automatisch standardisiert
Auch das ist wichtig.
Nur weil zwölf identische ODDs in einem Line Up stehen, besitzen wir noch keinen wissenschaftlich perfekten Versuchsaufbau.
Weitere Variablen bleiben:
- Geruchsmenge,
- Set-Zeit,
- Temperatur,
- Position,
- Handling,
- Reihenfolge,
- Luftströmung,
- Kontamination,
- Restgerüche,
- Position des Hundeführers.
Die wissenschaftliche Literatur zur Manipulation von Training-Aid-Odor zeigt, wie viele dieser Faktoren die tatsächlich verfügbare Geruchsmenge beeinflussen.
Ein ODD ist deshalb:
ein Baustein der Standardisierung.
Nicht die gesamte Standardisierung.
Geruchsverfügbarkeit beginnt bereits vor der Suche
Ein weiterer Punkt wird häufig vergessen.
Wir setzen Zielmaterial in einen Behälter und erwarten:
Jetzt steht sofort ein konstantes Geruchssignal zur Verfügung.
Das muss nicht stimmen.
Bei geschlossenen beziehungsweise teilweise permeablen Systemen benötigt es Zeit, bis:
- Zielstoff ausgast,
- Headspace entsteht,
- Geruch mit dem Containment interagiert,
- ein einigermaßen stabiler Zustand entsteht.
Eine aktuelle wissenschaftliche Übersicht weist ausdrücklich darauf hin, dass die Geruchsverfügbarkeit unmittelbar nach dem Befüllen eines Containments zunächst instabil sein kann.
Das ist für standardisiertes Training relevant.
Wenn:
ODD A seit 30 Minuten vorbereitet ist
und
ODD B erst zehn Sekunden vor der Suche befüllt wurde,
können wir nicht automatisch davon ausgehen, dass beide dieselbe Geruchsverfügbarkeit besitzen.
💡 Wissenswert: Set-Zeit gilt auch für ODDs
Wer mit standardisierten Geruchsbehältern arbeitet, sollte deshalb auch die Vorbereitungszeit standardisieren.
Zum Beispiel:
alle Proben werden vor Beginn des Trainings nach demselben Verfahren vorbereitet.
Damit reduzieren wir wieder eine unnötige Variable.
Kontamination beginnt häufig beim Handling
Der beste Behälter nützt wenig, wenn wir:
erst Zielstoff,
dann Negativprobe,
dann Leerbehälter
mit denselben Handschuhen anfassen.
Oder wenn:
- ODDs gemeinsam gelagert werden,
- Werkzeuge zwischen Zielstoffen wechseln,
- Behälter nicht sauber getrennt werden,
- positive und negative Proben auf derselben Arbeitsfläche vorbereitet werden.
Die Forschung zur Training-Aid-Integrität zeigt, dass Partikel- und Geruchsübertragung zwischen Materialien eine reale Fehlerquelle darstellen kann.
Darum gehört zum ODD immer ein Handling-Protokoll.
Unser Grundprinzip: Zielgeruch ist die Variable
Ein ideal aufgebautes Line-Up-Training könnte folgendermaßen aussehen:
Alle ODDs:
- identisches Modell,
- identische Position,
- identische äußere Behandlung.
Der Unterschied liegt innen.
Zum Beispiel:
ODD 1: Futterstücke
ODD 2: Verpackungsmaterial
ODD 3: Zielstoff
ODD 4: Hundeführergeruch
ODD 5: Hundespielzeug
ODD 6: Reinigungsmittel
ODD 7: Zoelstoff einer anderen Sparte
ODD 8: Kaffeebohnen
ODD 9: Leerprobe
Der Hund soll lernen:
Nicht der Behälter ist relevant. Nicht die Position ist relevant. Nicht der Hundeführer ist relevant. Der Zielgeruch ist relevant.
Das ist der Kern professioneller Geruchsdiskriminierung.

Identische Behälter reduzieren optische und konstruktive Unterschiede. Entscheidend soll die Geruchsinformation im ODD sein.
Warum das bei Blindtraining besonders wichtig wird
Solange der Trainer weiß:
Nummer 4 ist positiv
können unbewusste Informationen entstehen.
Das kennen wir vom Clever-Hans-Effekt.
Darum eignet sich ein standardisiertes ODD-System hervorragend für:
- randomisierte Positionen,
- Single Blind,
- Double Blind.
Alle Behälter sehen gleich aus.
Positionen können gewechselt werden.
Der Hundeführer muss sich auf:
Hund + Suchverhalten + TFR
verlassen.
Nicht auf seine eigene Erinnerung an den Aufbau.
Sicherheit: Ein ODD ersetzt keine zugelassene Gefahrstoffverpackung
Dieser Punkt ist besonders wichtig.
Wir verwenden im professionellen Spürhundetraining teilweise:
- gefährliche,
- toxische,
- explosive,
- kontrollierte
Zielmaterialien.
Ein ODD kann die Trainingspräsentation erleichtern.
Er ersetzt aber nicht automatisch:
- gesetzlich vorgeschriebene Lagerbehälter,
- Transportverpackungen,
- Stoffzulassungen,
- Sicherheitsbestimmungen.
Die wissenschaftliche Literatur unterscheidet deshalb klar zwischen primärem Containment während der Geruchspräsentation sowie sekundärer beziehungsweise tertiärer Lager- und Transportverpackung.
Für entsprechende Zielstoffe muss immer geprüft werden:
Ist Material, Konstruktion und Verwendung chemisch sowie rechtlich für genau diesen Stoff geeignet?
Ein universelles „dieser Becher ist für jeden Gefahrstoff sicher“ wäre fachlich falsch.
Reinigung – einfach heißt nicht beliebig
Edelstahl erleichtert uns die Reinigung.
Trotzdem benötigt auch ein Edelstahl-ODD ein sauberes Konzept.
Je nach Trainingsmaterial kann sinnvoll sein:
- definierte ODDs bestimmten Stoffgruppen zuzuordnen,
- Behälter separat zu lagern,
- Reinigungsprozesse zu dokumentieren,
- Leerproben regelmäßig zu kontrollieren,
- ODDs nach auffälligen Kontaminationen auszusondern.
Denn Reinigung und Geruchsfreiheit sind nicht zwingend dasselbe.
Ein menschlich sauber wirkender Behälter kann für den Hund immer noch geruchliche Informationen enthalten.
Muss jeder Zielstoff ein eigenes ODD bekommen?
Nicht zwangsläufig dauerhaft.
Aber je kritischer die geforderte Diskrimination ist, desto sorgfältiger muss das Kontaminationsmanagement sein.
Bei bestimmten Stoffen kann es sinnvoll sein:
ODDs dauerhaft einer Zielstoffgruppe zuzuordnen.
Bei anderen Trainingsformen kann eine definierte Reinigung und Wiederverwendung vollkommen ausreichend sein.
Die Entscheidung hängt von:
- Zielstoff,
- Trainingsziel,
- gewünschter Messgenauigkeit,
- Sicherheitsanforderungen
ab.
Häufige Fehler beim Arbeiten mit ODDs
Unterschiedliche Behälter für Positiv und Negativ
Dadurch kann der Hund möglicherweise den Behälter statt den Zielgeruch diskriminieren.
Schlechte Kontaminationskontrolle
Positive Proben werden vorbereitet und anschließend Negativproben mit denselben Handschuhen angefasst.
Position wird nie randomisiert
Der Hund lernt:
Position 3 lohnt sich häufig.
statt:
Zielgeruch lohnt sich.
Immer dieselbe Probe
Der Hund kann zu spezifisch auf genau diese einzelne Probe konditioniert werden.
Keine Leerproben
Ohne Blanks wissen wir wenig darüber, wie der Hund mit tatsächlich geruchsfreien Positionen umgeht.
Behälter direkt nach dem Befüllen verwenden
Geruchsverfügbarkeit kann unmittelbar nach dem Befüllen noch variieren.
ODD mit Langzeitlagerung verwechseln
Ein Trainingsbehälter ist nicht automatisch die ideale Lagerlösung.
KISS – Keep it stupid simple
Professionelles Training wird nicht automatisch besser, nur weil wir es komplizierter machen.
Ein funktionierendes System sollte uns Arbeit abnehmen.
Nicht zusätzliche Arbeit produzieren.
Genau deshalb mögen wir unser ODD-System.
Wir brauchen nicht vor jedem Training:
- verschiedene Gläser,
- unterschiedliche Deckel,
- drei Kunststoffboxen,
- passende Halterungen,
- Sonderadapter.
Wir nehmen denselben ODD.
Er passt ins:
Line Up.
Scent Wheel.
DDTS.
Wir können:
- Zielgerüche vorbereiten,
- Negativproben vorbereiten,
- Blindaufbauten erstellen,
- Positionen randomisieren.
Und am Ende kümmern wir uns wieder um das Wichtigste:
den Hund.
📌 Praxiserfahrung von Kynotec: Standardisierung soll Arbeit reduzieren
Manchmal wird „professionell“ mit „kompliziert“ verwechselt.
Für uns bedeutet professionell:
so einfach wie möglich, so komplex wie notwendig.
Wenn wir für drei Trainingsgeräte drei verschiedene Behältersysteme benötigen, entsteht mehr Logistik.
Mehr Logistik bedeutet:
- mehr Fehlerquellen,
- mehr Vorbereitung,
- mehr Material,
- mehr Sortierarbeit.
Darum versuchen wir, Trainingsequipment möglichst miteinander kompatibel zu gestalten.
Keep it stupid simple.
Technische Daten des Kynotec ODD
| Merkmal | Kynotec ODD |
|---|---|
| Bezeichnung | Odor Delivery Device |
| Material | Edelstahl |
| Durchmesser | 5 cm |
| Höhe | 7 cm |
| Wiederverwendbar | ja |
| Reinigung | einfach möglich |
| Kynotec Line Up | kompatibel |
| Kynotec Scent Wheel | kompatibel |
| DDTS | von uns im Trainingssystem verwendet |
| Einsatz | Zielstoff, Negativproben, Verleiter |
Die technischen Maße und Materialangaben entsprechen der aktuellen Kynotec-Produktbeschreibung.
Für welche Trainingsformen eignet sich ein ODD?
Ein standardisiertes ODD-System kann unter anderem verwendet werden für:
- Geruchskonditionierung,
- Geruchserkennung,
- Geruchsdiskriminierung,
- Verleitertraining,
- Negativproben,
- Blanks,
- Konzentrationsunterschiede,
- Single-Blind-Suchen,
- Double-Blind-Suchen,
- Leistungsüberprüfungen.
Die eigentliche Leistungsfähigkeit entsteht dabei nicht durch den Edelstahlbecher.
Sondern durch das Trainingsdesign, in dem wir ihn einsetzen.
FAQ – ODD im Spürhundetraining
Was bedeutet ODD?
ODD steht für Odor Delivery Device – also einen Behälter beziehungsweise ein System zur kontrollierten Präsentation einer Geruchsquelle.
Ist ODD eine weltweit einheitlich standardisierte Bauform?
Nein. Es existieren unterschiedliche Systeme und Bezeichnungen. Form, Material und Funktionsprinzip können variieren.
Warum verwendet Kynotec Edelstahl?
Für uns haben sich Robustheit, Wiederverwendbarkeit, Korrosionsbeständigkeit und einfache Reinigung im täglichen Trainingsbetrieb bewährt.
Warum nicht Glas?
Glas kann für Geruchssysteme sehr gut geeignet sein und wird auch in wissenschaftlichen Trainingshilfen verwendet. Für unseren täglichen Trainingsbetrieb war die Bruchgefahr allerdings ein praktischer Nachteil.
Kann ich Zielgeruch und Negativproben in denselben Behältern präsentieren?
Genau das ist für ein standardisiertes Diskriminationstraining sinnvoll. Äußerlich möglichst gleiche Behälter reduzieren zusätzliche visuelle beziehungsweise konstruktive Hinweise.
Verhindert ein ODD jede Kontamination?
Nein. Er kann direkten Materialkontakt und Partikelübertragung reduzieren und das Handling standardisieren. Kontamination bleibt bei falscher Lagerung oder Handhabung möglich.
Ist ein ODD geruchsdicht?
Während der Präsentation darf er funktional nicht vollständig geruchsdicht sein – sonst könnte der Hund den Zielgeruch nicht wahrnehmen.
Kann ich gefährliche Stoffe in einem ODD verwenden?
Nur wenn Material und Aufbau für den konkreten Stoff geeignet sind und sämtliche rechtlichen und sicherheitstechnischen Vorgaben eingehalten werden. Ein Trainings-ODD ersetzt keine vorgeschriebene Gefahrstoff- oder Transportverpackung.
Warum sind identische Behälter wichtig?
Weil idealerweise der Geruch und nicht die Optik des Behälters das Anzeigeverhalten kontrollieren soll.
Warum empfiehlt Kynotec 24 ODDs?
Ein vollständiges Line Up besitzt zwölf Positionen. Mit 24 ODDs können Zielstoffe, Negativproben und andere Trainingsproben bereits vorbereitet und zwischen Durchgängen einfacher gewechselt werden. Das aktuelle Lineup Bundle enthält entsprechend 24 ODDs.
Kann derselbe ODD im Line Up, Scent Wheel und DDTS verwendet werden?
Genau das ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Systems. Wir möchten möglichst wenige unterschiedliche Behälterformate benötigen.
Fazit: Der Behälter soll möglichst langweilig sein – der Geruch soll entscheiden
ODDs gehören nicht zu den spektakulärsten Teilen der Spürhundeausbildung.
Und genau das ist eigentlich gut.
Denn ein guter Geruchsbehälter soll nicht im Mittelpunkt stehen.
Er soll:
- funktionieren,
- sicher zu handhaben sein,
- robust sein,
- standardisierbar sein,
- und uns möglichst wenig beschäftigen.
Der Hund soll sich nicht fragen müssen:
„Welcher Behälter sieht heute anders aus?“
Wir möchten eine wesentlich klarere Frage erzeugen:
„Welcher dieser identischen Behälter enthält meinen Zielgeruch?“
Genau deshalb arbeiten wir gerne mit einem einheitlichen ODD-System.
Gleiche Größe.
Gleiches Material.
Gleiche Optik.
Unterschiedlicher Inhalt.
Von:
Geruchskonditionierung
über:
Geruchsdiskriminierung
bis:
Single Blind und Double Blind.
Und weil derselbe ODD in unserem:
Line Up, Scent Wheel und DDTS
funktioniert, reduziert er zusätzlich die Komplexität in Vorbereitung und Training.
Wir müssen keine hunderten unterschiedlichen Gläser und Behälter sortieren.
Wir nehmen das System, das wir kennen.
Bereiten unsere Proben sauber vor.
Randomisieren sie.
Und trainieren.
Keep it stupid simple.
Denn am Ende interessiert uns nicht, welcher Behälter besonders technisch aussieht.
Uns interessiert:
Kann der Hund allein anhand seiner olfaktorischen Information die richtige Entscheidung treffen?
Quellen & weiterführende Literatur
Sloan et al. – The manipulation of odor availability of training aids used in detection canine training
Umfassende Übersicht über primäres und sekundäres Containment, Geruchsfreisetzung, Diffusion, Permeation, Luftströmung und Geruchsverfügbarkeit.
Gauthier et al. (2023): Toward maintaining canine training aid integrity
Untersuchung zu Kontamination, Geruchspermeation und Speicherung von Detection-Dog-Trainingsmaterialien.
Davis et al. (2023): Characterization of an odor permeable membrane device
Arbeit zu geruchsdurchlässigen Containment-Systemen für Explosivstoff-Trainingsmaterialien.
OSAC/NIST – Alternative Training Aids for Detection Canines
Standardisierte Terminologie unterschiedlicher Trainingshilfen und Zielstoffalternativen.
🟩 ODD



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