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Article: Die wichtigsten Abkürzungen in der Hundeausbildung einfach erklärt

Die wichtigsten Abkürzungen in der Hundeausbildung einfach erklärt

Die wichtigsten Abkürzungen in der Hundeausbildung einfach erklärt

Warum ein paar Buchstaben helfen können, Training präziser zu verstehen

Wer sich intensiver mit moderner Hundeausbildung, Lerntheorie oder professioneller Spürhundearbeit beschäftigt, begegnet früher oder später einer ganzen Reihe von Abkürzungen:

TFR, R+, R−, P+, P−, SR+, SR−, SP+, SP−, SD, RP, RN, FP und FN.

Auf den ersten Blick wirkt das technisch. Tatsächlich helfen diese Begriffe aber dabei, Training wesentlich genauer zu beschreiben.

Denn zwischen den Aussagen

„Der Hund wurde belohnt.“

und

„Auf das gewünschte Anzeigeverhalten folgte ein konditionierter Marker und anschließend ein positiver Verstärker.“

liegt ein erheblicher Unterschied.

Ebenso reicht es bei einem Spürhund nicht, nur zu sagen:

„Der Hund hat gefunden.“

Wir wollen wissen:

War der Zielstoff tatsächlich vorhanden? Hat der Hund korrekt angezeigt? Hat er einen Zielstoff übersehen? Oder hat er etwas angezeigt, obwohl überhaupt kein Zielstoff vorhanden war?

Genau hier helfen standardisierte Begriffe.


Das Wichtigste auf einen Blick

Kürzel Bedeutung Vereinfacht
TFR Trained Final Response trainiertes finales Anzeigeverhalten
R+ Positive Reinforcement Verhalten wird durch Hinzufügen einer Konsequenz wahrscheinlicher
R− Negative Reinforcement Verhalten wird durch Entfernen/Reduzieren eines Reizes wahrscheinlicher
P+ Positive Punishment Verhalten wird durch Hinzufügen einer Konsequenz unwahrscheinlicher
P− Negative Punishment Verhalten wird durch Entfernen einer Konsequenz unwahrscheinlicher
SR+ positiver verstärkender Stimulus ein hinzugefügter Stimulus wirkt verstärkend
SR− aversiver Stimulus bei negativer Verstärkung sein Wegfall oder seine Reduktion verstärkt Verhalten
SP+ hinzugefügter Strafstimulus sein Hinzufügen reduziert Verhalten
SP− entzogener positiver Stimulus sein Entzug reduziert Verhalten
SD / Sᴰ Discriminative Stimulus Signal für die Verfügbarkeit einer Konsequenz
RP richtig positiv Zielstoff vorhanden + korrekt angezeigt
RN richtig negativ kein Zielstoff + korrekt keine Anzeige
FP falsch positiv kein Zielstoff + trotzdem Anzeige
FN falsch negativ Zielstoff vorhanden + keine korrekte Anzeige

Eine wichtige Grundlage:

„Positiv“ bedeutet in der Lerntheorie nicht gut.

„Negativ“ bedeutet nicht schlecht.

Vereinfacht gilt:

Plus = etwas kommt hinzu.
Minus = etwas wird entfernt.
Reinforcement = Verhalten wird wahrscheinlicher.
Punishment = Verhalten wird unwahrscheinlicher.

Diese Definition entspricht der klassischen operanten Lerntheorie.


Am Kynotec Trainingsblock finden sich erste Abkürzungen

Eine gemeinsame Fachsprache hilft, Verhalten, Konsequenzen und die Leistung eines Spürhundes präzise zu beschreiben.


TFR – Trained Final Response

TFR steht für Trained Final Response.

Gemeint ist das trainierte finale Verhalten, mit dem ein Spürhund seinem Hundeführer mitteilt:

Hier befindet sich die relevante Geruchsquelle.

NIST definiert die Final Response als ein Verhalten, das ein Hund in Anwesenheit einer trainierten Zielgeruchsquelle gelernt hat. Dieses Verhalten kann passiv oder aktiv sein. Beispiele für passive Formen sind Sitzen, Liegen oder Fixieren.

Bei vielen unserer Spürhunde ist das gewünschte TFR beispielsweise:

Sitzen und die Geruchsquelle beziehungsweise den Quellbereich starrend fixieren.

Wichtig ist die Unterscheidung:

Das TFR ist nicht das Riechen selbst.

Vor dem eigentlichen Anzeigeverhalten können zahlreiche Veränderungen stattfinden:

Der Hund nimmt Geruch auf, verändert seine Geschwindigkeit, dreht gegen eine Geruchsfahne, intensiviert die Nasenarbeit, lokalisiert die Quelle – und zeigt anschließend das trainierte finale Verhalten.


TFR Trained Final Response passives Anzeigeverhalten Spürhund

Das TFR – Trained Final Response – ist das trainierte finale Verhalten, mit dem ein Spürhund eine lokalisierte Zielgeruchsquelle eindeutig anzeigt.


R+, R−, P+ und P− – was passiert mit dem Verhalten?

Diese vier Begriffe beschreiben zunächst Lernprozesse.

Nicht den Stimulus selbst.

Das ist entscheidend.

R+ – Positive Reinforcement

Bei positiver Verstärkung wird nach einem Verhalten etwas hinzugefügt und das Verhalten wird dadurch zukünftig wahrscheinlicher.

Beispiel:

Der Hund zeigt sein TFR.

Danach erhält er Futter oder Zugang zu seinem Beuteobjekt.

Wenn das korrekte Anzeigeverhalten dadurch stabiler beziehungsweise wahrscheinlicher wird, liegt R+ vor.

Wichtig:

Nicht alles, was wir als „Belohnung“ bezeichnen, ist automatisch ein Verstärker.

Ob etwas tatsächlich verstärkend wirkt, erkennen wir an seiner Wirkung auf zukünftiges Verhalten.


R− – Negative Reinforcement

Bei negativer Verstärkung wird ein bestehender aversiver Stimulus reduziert oder entfernt.

Dadurch wird das vorausgegangene Verhalten wahrscheinlicher.

Schema:

aversiver Zustand vorhanden → Verhalten → aversiver Zustand endet → Verhalten steigt

R− ist deshalb ausdrücklich keine Strafe.

Auch hier bedeutet „Reinforcement“, dass das Verhalten zunimmt.


P+ – Positive Punishment

Bei positiver Bestrafung wird nach einem Verhalten ein Stimulus hinzugefügt.

Wenn dieses Verhalten dadurch zukünftig seltener auftritt, liegt P+ vor.

Das Wort „positiv“ bedeutet lediglich:

Etwas wurde hinzugefügt.

Es ist keine Wertung darüber, ob die Maßnahme gut, sinnvoll oder tierschutzgerecht ist.


P− – Negative Punishment

Bei negativer Bestrafung wird etwas entzogen.

Beispielsweise der Zugang zu einer erwarteten Verstärkung.

Wenn das betreffende Verhalten dadurch zukünftig seltener wird, sprechen wir von P−.


Die vier Grundprozesse

Stimulus hinzugefügt (+) Stimulus entfernt (−)
Verhalten wird wahrscheinlicher R+ R−
Verhalten wird unwahrscheinlicher P+ P−

Damit beantworten R und P eine Frage:

Was passiert langfristig mit der Wahrscheinlichkeit des Verhaltens?

Die S-Begriffe gehen noch einen Schritt weiter.


SR+, SR−, SP+ und SP− – welcher Stimulus ist beteiligt?

Hier müssen wir etwas genauer werden.

Die Schreibweise ist in der verhaltensanalytischen Literatur nicht vollkommen einheitlich standardisiert. Verschiedene Autoren verwenden unterschiedliche Symbolsysteme. Häufig findet man jedoch Sᴿ für einen verstärkenden Stimulus und Sᴾ für einen bestrafenden Stimulus. Auch die zusätzliche Kennzeichnung mit Plus und Minus findet sich in Lehr- und Notationssystemen.

Für unsere Trainingsplanung verwenden wir die Begriffe vor allem, um den konkreten Stimulus innerhalb einer Konsequenz zu benennen.


SR+ – der positive verstärkende Stimulus

SR+ beziehungsweise Sᴿ⁺ bezeichnet einen Stimulus, der nach einem Verhalten hinzugefügt wird und verstärkend wirkt.

Beispielsweise:

TFR → Futter

oder:

TFR → Beuteobjekt

Wenn das TFR dadurch zukünftig wahrscheinlicher wird, erfüllt das hinzugefügte Ereignis die Funktion eines SR+.

Aber in moderner Hundeausbildung befindet sich häufig noch etwas zwischen Verhalten und eigentlicher Verstärkung:

ein Marker.


Der Marker – „Das war richtig“

Der Hund lokalisiert seinen Zielstoff.

Er setzt sich.

Er fixiert die Zielquelle.

Genau jetzt möchten wir ihm mitteilen:

Das ist das Verhalten, das wir wollten.

Dazu können wir einen konditionierten Marker verwenden, beispielsweise:

  • Klicker,
  • Markerwort,
  • Pfiff,
  • elektronisches Tonsignal.

Ein solcher Marker wurde zuvor mit einem etablierten Verstärker gekoppelt.

Durch diese Lerngeschichte kann der Marker selbst zu einem konditionierten Verstärker beziehungsweise sekundären Verstärker werden und gleichzeitig die folgende Verstärkung ankündigen.

Eine aktuelle Studie von Lazarowski und Kollegen untersuchte genau dieses Prinzip bei Detection Dogs. Ein Clicker wurde unmittelbar beim korrekten Verhalten eingesetzt und anschließend folgte der Ball als Verstärker. Die Markergruppe benötigte unter anderem weniger Trainingsdurchgänge und zeigte bei verschiedenen Messgrößen Vorteile.

Der Ablauf kann damit folgendermaßen aussehen:

Zielgeruch → TFR → Marker → Verstärker

Der Marker ermöglicht es uns, zeitlich sehr präzise zu kommunizieren:

Genau dieses Verhalten war richtig.


Warum das für Spürhunde besonders interessant ist

In der Spürhundearbeit können Hund und Hundeführer mehrere Meter voneinander entfernt sein.

Oder der Hund befindet sich an einer Quelle, an der wir nicht unmittelbar Futter oder ein Beuteobjekt präsentieren können.

Der Marker kann diese zeitliche Distanz überbrücken.

Lazarowski et al. beschreiben Marker ausdrücklich als Signal, das eine Belohnung vorhersagt und dadurch die zeitliche Lücke zwischen Verhalten und Verstärker überbrücken kann.

TFR Marker SR+ positive Verstärkung Spürhund

Bildunterschrift:
Ein konditionierter Marker kann das exakt gewünschte Verhalten kennzeichnen und die Zeit bis zum nachfolgenden Verstärker überbrücken.


SR− – der Stimulus bei negativer Verstärkung

Bei negativer Verstärkung ist die Logik etwas anders.

Ein aversiver Stimulus ist bereits vorhanden.

Durch ein bestimmtes Verhalten wird dieser Stimulus:

  • beendet,
  • reduziert,
  • oder vermieden.

In einigen Notationssystemen wird dieser aversive Stimulus als SR− bezeichnet.

Schema:

SR− vorhanden → Verhalten → SR− wird entfernt

Wenn das Verhalten dadurch zukünftig wahrscheinlicher wird, handelt es sich um R−.

Damit sehen wir den Unterschied:

R− = Lernprozess

SR− = der beteiligte aversive Stimulus

Diese Unterscheidung ist gerade deshalb sinnvoll, weil ein und derselbe Stimulus abhängig von Kontext und Kontingenz unterschiedliche Funktionen haben kann.


SP+ – ein hinzugefügter Strafstimulus

SP+ beziehungsweise Sᴾ⁺ bezeichnet in entsprechenden Notationssystemen einen Stimulus, der nach einem Verhalten hinzugefügt wird und dazu führt, dass dieses Verhalten zukünftig seltener auftritt.

Der entscheidende Punkt bleibt:

Ein Stimulus ist nicht deshalb ein Punisher, weil ein Trainer ihn so nennt.

Er ist nur dann funktional ein Punisher, wenn das betreffende Verhalten anschließend tatsächlich abnimmt.


SP− – Entzug eines positiven Stimulus

Bei P− wird ein für den Hund relevanter positiver Stimulus entfernt beziehungsweise vorenthalten.

Der entzogene Stimulus kann in entsprechenden Notationssystemen als SP− dargestellt werden.

Beispiel:

Der Hund erwartet Zugang zu einem Spielzeug.

Ein bestimmtes Verhalten führt dazu, dass dieser Zugang vorübergehend verloren geht.

Wenn das betreffende Verhalten dadurch zukünftig seltener wird, haben wir eine negative Bestrafung.

Auch hier gilt:

P− beschreibt den Prozess.

SP− beschreibt den relevanten Stimulus beziehungsweise dessen Entzug.


Das sekundäre Strafsignal – „Das war nicht richtig“

So wie wir einem Hund ein präzises „Richtig“-Signal vermitteln können, können wir ihm theoretisch auch ein erlerntes Signal vermitteln, das anzeigt:

Dieses Verhalten war nicht erfolgreich.

Das kann beispielsweise ein klar definiertes akustisches Fehlersignal sein.

Allerdings müssen wir fachlich sauber bleiben.

Ein Fehlersignal ist nicht automatisch SP+ oder SP−.

Seine Funktion hängt davon ab, was der Hund gelernt hat und welche Konsequenz tatsächlich folgt.

Ein Beispiel:

Der Hund zeigt ein definiertes Fehlverhalten.

Es folgt ein konditioniertes Fehlersignal.

Danach wird die erwartete Verstärkung nicht verfügbar.

Hier können zwei Dinge zusammenspielen:

Das hinzugefügte Fehlersignal kann durch Lernerfahrung selbst eine konditioniert bestrafende Funktion erhalten.

Der Entzug beziehungsweise Ausfall der erwarteten Verstärkung kann Bestandteil einer P−-Kontingenz sein.

Ob das Signal wirklich als konditionierter Punisher wirkt, erkennen wir wiederum nur daran, ob das vorausgegangene Verhalten in Zukunft abnimmt.

Das ist aus unserer Sicht ein entscheidender Punkt:

Wir sollten Konsequenzen nach ihrer tatsächlichen Wirkung benennen – nicht nach unserer Absicht.


Richtig- und Fehlersignal gegenübergestellt

Gewünschtes Verhalten:

TFR
→ konditionierter Marker
→ Verstärker
→ Verhalten wird wahrscheinlicher

Fehlerhaftes Verhalten:

Fehlerverhalten
→ konditioniertes Fehlersignal
→ definierte Konsequenz, beispielsweise Ausfall einer erwarteten Verstärkung
→ Verhalten wird – sofern die Kontingenz wirkt – unwahrscheinlicher

Damit erhalten Hund und Hundeführer ein wesentlich präziseres Kommunikationssystem.


SD – Discriminative Stimulus

SD beziehungsweise Sᴰ steht für Discriminative Stimulus – diskriminativer Stimulus.

Häufig wird das vereinfacht als „Signal“ übersetzt.

Fachlich bedeutet es etwas genauer:

Ein SD zeigt an, dass ein bestimmtes Verhalten unter den aktuellen Bedingungen aufgrund der bisherigen Lerngeschichte mit einer bestimmten Verstärkung verbunden ist.

Jack Michael beschreibt einen diskriminativen Stimulus als eine Stimulusbedingung, unter der ein bestimmtes Verhalten häufiger auftritt, weil dieses Verhalten in Anwesenheit dieses Stimulus in der Vergangenheit häufiger verstärkt wurde.

Ein Beispiel:

SD

„Sitz“

Verhalten

Hund setzt sich.

Konsequenz

Das Verhalten wird verstärkt.

Mit entsprechender Lerngeschichte erhöht das Signal „Sitz“ die Wahrscheinlichkeit des Hinsetzens.


SD in der Spürhundearbeit

Auch dort finden wir verschiedene diskriminative Stimuli.

Beispielsweise kann das Suchsignal zu einem SD für das Suchverhalten werden.

Später kann auch der relevante Zielgeruch eine wichtige Funktion innerhalb der Verhaltenskette übernehmen:

Suchsignal → Suchen → Zielgeruch → TFR

Damit sind wir bereits sehr nahe an der ABC-Verhaltensanalyse:

A – Antezedens

B – Verhalten

C – Konsequenz

Der SD gehört in den Bereich der Antezedenzbedingungen.


RP – richtig positiv

Nun verlassen wir die Lerntheorie und wechseln zur Leistungsbewertung.

RP bedeutet richtig positiv, international meistens True Positive – TP.

Schema:

Zielstoff vorhanden + korrekte Anzeige

Beispiel:

Im Line Up befindet sich an Position 4 Zielstoff.

Der Hund zeigt Position 4 korrekt an.

→ RP


RN – richtig negativ

RN steht für richtig negativ – True Negative.

Schema:

kein Zielstoff vorhanden + keine Anzeige

Das ist besonders für Leersuchen wichtig.

Der Hund überprüft den gesamten Suchbereich.

Er zeigt nichts an.

Der Hundeführer beendet die Suche.

Es war tatsächlich kein Zielstoff vorhanden.

→ RN

Das ist eine korrekte Leistung.

In der Detection-Dog-Forschung werden True Positive, False Positive, False Negative und True Negative genau in dieser Form zur Leistungsbewertung eingesetzt.


FP – falsch positiv

FP steht für falsch positiv – False Positive.

Schema:

kein Zielstoff vorhanden + trotzdem Anzeige

Das kann beispielsweise bedeuten:

Der Hund zeigt an einem Verleitgeruch.

Oder der Hundeführer interpretiert ein Verhalten als Anzeige und meldet einen Fund.

Tatsächlich befindet sich dort jedoch kein Zielstoff.

NIST bezeichnet eine solche Reaktion als False Alert beziehungsweise False Response.


FN – falsch negativ

FN steht für falsch negativ – False Negative.

Schema:

Zielstoff vorhanden + keine korrekte Anzeige

Der Hund bearbeitet beispielsweise einen Suchbereich.

Eine relevante Auslage ist vorhanden.

Sie wird jedoch nicht korrekt angezeigt beziehungsweise vom Team nicht gemeldet.

→ FN


Die vier möglichen Suchergebnisse

Realität Anzeige / Fund gemeldet Keine Anzeige
Zielstoff vorhanden RP ✅ FN ❌
Kein Zielstoff vorhanden FP ❌ RN ✅

Diese vier Werte bilden die Grundlage für weitere Kennzahlen wie Sensitivität und Spezifität und werden auch in wissenschaftlichen Detection-Dog-Studien verwendet.


RP RN FP FN True Positive True Negative False Positive False Negative Spürhund

Bildunterschrift:
Treffer allein reichen zur Bewertung eines Spürhundes nicht aus. Richtig positive, richtig negative, falsch positive und falsch negative Entscheidungen ergeben gemeinsam ein wesentlich aussagekräftigeres Leistungsbild.


TFR und RP sind nicht dasselbe

Diese Unterscheidung ist besonders wichtig.

TFR beschreibt das Verhalten des Hundes.

RP beschreibt, ob die Entscheidung korrekt war.

Ein Hund kann ein perfektes TFR zeigen:

sitzen → starren → Anzeige halten.

Wenn sich dort aber kein Zielstoff befindet, bleibt das Ergebnis:

FP – falsch positiv.

Andererseits kann ein Hund Zielgeruch eindeutig erkannt haben, aber das geforderte TFR nicht vollständig zeigen.

Dann haben wir ein Problem mit der Verhaltensausführung, das von der eigentlichen Geruchserkennung getrennt analysiert werden sollte.


R+ und SR+ sind ebenfalls nicht dasselbe

Dasselbe gilt für Reinforcement und Stimulus.

R+ bezeichnet den Prozess:

Verhalten wird durch Hinzufügen einer Konsequenz wahrscheinlicher.

SR+ bezeichnet den beteiligten verstärkenden Stimulus.

Beispielsweise:

Hund zeigt TFR

→ Ball wird präsentiert

→ TFR wird zukünftig stabiler

Dann ist:

Ball = SR+

und der gesamte Lernprozess:

R+

Diese Trennung wirkt zunächst akademisch.

In der Trainingsplanung ist sie aber sehr hilfreich.


Ein kompletter Ablauf aus der Spürhundearbeit

Nehmen wir einen typischen Suchablauf.

1. SD

Der Hundeführer gibt das trainierte Suchsignal.

Das Signal stellt den Kontext für das Suchverhalten her.

2. Suchverhalten

Der Hund löst sich und beginnt selbstständig zu suchen.

3. Zielgeruch

Der Hund trifft auf die relevante Geruchsinformation und lokalisiert.

4. TFR

Der Hund setzt sich und fixiert die Geruchsquelle.

5. konditionierter SR+ / Marker

Der Trainer beziehungsweise Hundeführer gibt das präzise Richtig-Signal.

6. SR+

Der Hund erhält seinen etablierten Verstärker – beispielsweise Futter oder Beuteobjekt.

7. R+

Wenn dadurch das korrekte TFR zukünftig stabiler beziehungsweise wahrscheinlicher wird, hat positive Verstärkung stattgefunden.

Und anschließend betrachten wir die objektive Leistung:

War an dieser Stelle tatsächlich Zielstoff vorhanden?

Wenn ja:

RP.

Wenn nein:

FP.

Damit lassen sich Lerntheorie, Trainingsaufbau und Leistungsbewertung in einem einzigen Ablauf miteinander verbinden.


📌 Praxiserfahrung von Kynotec

Wir verwenden solche Abkürzungen nicht, damit Hundetraining möglichst kompliziert klingt.

Wir verwenden sie, weil sie Fragen erzwingen.

Statt:

„Ich habe den Hund belohnt.“

fragen wir:

Welches Verhalten wollte ich verstärken?

Was war der konkrete SR+?

Wann wurde der Marker gesetzt?

Hat das Verhalten danach tatsächlich zugenommen?

Statt:

„Der Hund hat gut gesucht.“

fragen wir:

Wie viele RP, RN, FP und FN hatten wir?

Statt:

„Er weiß, was richtig ist.“

fragen wir:

Welcher SD kontrolliert das Verhalten?

Welches TFR erwarten wir?

Welche Konsequenz folgt darauf?

Diese Sprache zwingt uns, Training in einzelne funktionale Bestandteile zu zerlegen.

Und genau dadurch wird es planbarer.


Warum ein Fehlersignal nicht automatisch eine Strafe ist

Auch das wird häufig missverstanden.

Ein Trainer kann ein Wort oder Geräusch mit der Absicht einsetzen:

„Damit sage ich dem Hund, dass es falsch war.“

Damit wissen wir aber noch nicht, welche lernpsychologische Funktion dieses Signal besitzt.

Wenn das Signal keine messbare Wirkung auf zukünftiges Verhalten hat, ist es möglicherweise lediglich Information.

Wenn es durch Konditionierung dazu führt, dass das vorausgegangene Verhalten abnimmt, kann es funktional als konditionierter Punisher wirken.

Wenn es lediglich ankündigt, dass ein erwarteter Verstärker ausbleibt, kann der eigentliche verhaltensreduzierende Prozess eher über negative Bestrafung beziehungsweise Extinktion laufen.

Deshalb gilt auch hier:

Nicht der Name des Signals bestimmt seine Funktion. Seine Wirkung auf zukünftiges Verhalten tut es.


Noch einmal alle Begriffe kompakt

TFR
Was soll der Hund am Ende der Geruchslokalisation tun?

SD
Unter welchen Antezedenzbedingungen wird ein bestimmtes Verhalten wahrscheinlich?

R+ / R−
Welche Konsequenzen erhöhen Verhalten?

P+ / P−
Welche Konsequenzen reduzieren Verhalten?

SR+ / SR− / SP+ / SP−
Welche Stimuli sind an diesen Kontingenzen beteiligt?

RP / RN / FP / FN
War die Entscheidung des Spürhundeteams objektiv richtig oder falsch?

Damit betrachten wir drei unterschiedliche Ebenen:

Verhalten → Lernen → Leistung

Und genau diese Ebenen sollten in guter Trainingsplanung nicht vermischt werden.


Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet TFR?

TFR steht für Trained Final Response und bezeichnet das trainierte finale Anzeigeverhalten eines Spürhundes an der Zielgeruchsquelle.

Was ist der Unterschied zwischen R+ und SR+?

R+ beschreibt den Lernprozess der positiven Verstärkung. SR+ bezeichnet den Stimulus, dessen Hinzufügen verstärkend wirkt.

Ist ein Klicker ein SR+?

Ein Clicker kann durch vorherige Kopplung mit einem etablierten Verstärker zu einem konditionierten beziehungsweise sekundären Verstärker werden. Ob er tatsächlich verstärkend wirkt, hängt von der Lerngeschichte und seiner Wirkung auf Verhalten ab.

Ist ein Fehlersignal automatisch SP+?

Nein. Ein hinzugefügtes Fehlersignal kann funktional zu einem konditionierten Punisher werden, wenn es Verhalten tatsächlich reduziert. Kündigt es dagegen nur den Verlust einer erwarteten Verstärkung an, können zusätzlich andere Prozesse wie negative Bestrafung beteiligt sein.

Was bedeutet R−?

Negative Verstärkung bedeutet, dass ein Verhalten wahrscheinlicher wird, weil ein aversiver Stimulus reduziert oder entfernt wird.

Was bedeutet SD?

SD beziehungsweise Sᴰ steht für diskriminativer Stimulus. Dieser signalisiert aufgrund der bisherigen Lerngeschichte, dass für ein bestimmtes Verhalten unter diesen Bedingungen eine bestimmte Konsequenz verfügbar ist.

Was bedeutet FP?

Falsch positiv bedeutet: Es ist kein Zielstoff vorhanden, dennoch wird eine Anzeige beziehungsweise ein Fund gemeldet.

Was bedeutet FN?

Falsch negativ bedeutet: Zielstoff ist vorhanden, wird aber nicht korrekt angezeigt beziehungsweise gemeldet.

Ist RN ebenfalls eine erfolgreiche Leistung?

Ja. Eine korrekt beendete Leersuche ist ein richtig negatives Ergebnis und damit eine korrekte Entscheidung des Teams.


Fazit: Fachsprache soll Training klarer machen – nicht komplizierter

Abkürzungen wie TFR, R+, SR+, SD oder FP wirken zunächst theoretisch.

Ihr eigentlicher Wert liegt aber in der Praxis.

Sie helfen uns, unterschiedliche Fragen voneinander zu trennen.

TFR: Was tut der Hund?

SD: Wann soll er es tun?

SR+: Welcher Stimulus verstärkt dieses Verhalten?

R+: Wird das Verhalten dadurch tatsächlich wahrscheinlicher?

RP: War die Anzeige objektiv korrekt?

FP: Hat das Team etwas gemeldet, obwohl kein Zielstoff vorhanden war?

Je genauer wir diese Unterschiede verstehen, desto genauer können wir Trainingspläne schreiben, Fehler analysieren und Leistung bewerten.

Bei Kynotec nutzen wir diese Begriffe deshalb nicht als Fachsprache um ihrer selbst willen.

Wir nutzen sie als Werkzeug.

Denn je genauer wir beschreiben können, was vor einem Verhalten passiert, welches Verhalten tatsächlich gezeigt wird und welche Konsequenz darauf folgt, desto besser können wir verstehen, warum Training funktioniert – oder warum es an einer bestimmten Stelle noch nicht funktioniert.


Quellen & weiterführende Literatur

NIST / OSAC – Final Response und Passive Alert
Definitionen zu Trained Final Response und passiven Anzeigeformen bei Detection Dogs.

Lazarowski et al. (2025): Effectiveness of marker training for detection dogs
Untersuchung zur Verwendung eines Clickers als konditioniertem Marker beziehungsweise Verstärkersignal bei Detection Dogs.

Michael, J. (1982): Distinguishing between discriminative and motivational functions of stimuli
Grundlegende Arbeit zur Funktion diskriminativer Stimuli.

OpenStax Psychology – Operant Conditioning
Übersicht zu positiver und negativer Verstärkung sowie positiver und negativer Bestrafung.

Detection-Dog-Forschung zu RP, RN, FP und FN
True Positive, True Negative, False Positive und False Negative werden zur objektiven Leistungsbewertung von Detection Dogs eingesetzt.

Notation in der Verhaltensanalyse
Die Symbolschreibweise für verstärkende und bestrafende Stimuli ist nicht in allen Publikationen einheitlich; Sᴿ und Sᴾ sowie Erweiterungen mit Plus und Minus werden in verschiedenen Lehrsystemen verwendet.



🟩 ABC-Verhaltensanalyse

🟩 KYNOTEC BLIND SNIFF CHALLENGE

🟩 KYNOTEC Trainingsblock

🟩 Clever Hans Effekt

 

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